Autorin: Sarah Baumann
Was passiert, wenn aus vermeintlichem Abfall etwas Neues wird? Aus alten Papierbeständen wachsen Korallen, und junge Menschen beschäftigen sich auf kreative Weise mit der Zukunft unseres Planeten.
Genau so entstand das „Recycling-Riff“, ein Kunst- und Bildungsprojekt von Amoin. Erlebnis.Raum.Kirche, das Schüler*innen des Campus HafenCity gemeinsam mit dem Künstler Benjamin Stemmer und der Meeresbiologin Amelie Prinz auf eine besondere Reise mitnahm: von den faszinierenden Lebenswelten tropischer Korallenriffe bis zu den großen Fragen unserer Zeit rund um Klimawandel, Artenvielfalt und nachhaltiges Handeln. Gerettetes Material erzählt seine eigene Geschichte
Gerettetes Material erzählt seine eigene Geschichte
Die Geschichte des Projekts beginnt bereits beim Material. Als die traditionsreiche Hamburger Buchbinderei We are Bookbinders, früher Kurt Willscher KG, im Hamburger Karolinenviertel nach über 70 Jahren ihren Lagerbestand auflöste, sollten große Mengen an hochwertigem Buchbindepapier entsorgt werden. Durch einen glücklichen Zufall konnten wir diese Materialien retten. Statt im Container zu landen, wurden sie zum Ausgangspunkt eines kreativen Gestaltungsprozesses und erhielten ein zweites Leben.
Aus dem geretteten Papier entstanden Schritt für Schritt neue Korallenformen. Im Kunstunterricht entwickelten die Schüler*innen eigene Ideen, experimentierten mit Formen und Strukturen und lernten gleichzeitig die Bedeutung von Korallenriffen für das ökologische Gleichgewicht unserer Erde kennen. Begleitet von wissenschaftlichen Impulsen setzten sie sich mit der Frage auseinander, warum Korallenriffe weltweit bedroht sind und welche Auswirkungen die Klimakrise auf diese empfindlichen Lebensräume hat.
Das Riff als Stadt
Eine besondere Rolle spielte dabei die gemeinsame Metapher des Korallenriffs als Stadt. Wie eine Stadt besteht auch ein Riff aus vielen unterschiedlichen Bewohner*innen, die miteinander verbunden sind und sich gegenseitig Schutz, Nahrung und Lebensraum bieten. Diese Vorstellung machte komplexe ökologische Zusammenhänge greifbar und half den Schüler*innen, ihre künstlerischen Ideen zu entwickeln. Aus vielen einzelnen Elementen entstand so ein gemeinsames Ganzes: ein lebendiges, vielfältiges und farbenreiches Recycling-Riff.
Eine Unterwasserwelt in St. Katharinen
Während einer intensiven Projektwoche in der Hauptkirche St. Katharinen wurde aus den einzelnen Arbeiten schließlich eine große raumgreifende Installation. Zwischen den historischen Mauern der Kirche verwandelte sich Papier in eine Unterwasserlandschaft, die nicht nur die Schönheit von Korallenriffen zeigte, sondern auch deren Verletzlichkeit sichtbar machte. Die Schülerinnen entschieden selbst über Anordnung, Zusammenwirken und Aufbau der einzelnen Elemente und wurden so zu Mitgestalter*innen eines beeindruckenden Gemeinschaftswerks.
Von der Schule in die Stadtgesellschaft
Mit der Ausstellung „Neue Korallen aus altem Papier“ wurde das Recycling-Riff anschließend für die Öffentlichkeit zugänglich. Zahlreiche Besucher*innen nutzten die Gelegenheit, die Installation zu entdecken und mit den Themen Nachhaltigkeit, Artenvielfalt und Ressourcenschutz in Berührung zu kommen. Insgesamt erreichte das Projekt während der Ausstellungszeit mehrere tausend Menschen.
Besondere Sichtbarkeit erhielt das Recycling-Riff durch seine Einbindung in die Hamburg Sustainability Week 2026. Als Teil des stadtweiten Nachhaltigkeitsprogramms wurde die Installation einem noch größeren Publikum präsentiert und in aktuelle gesellschaftliche Diskussionen über Klima- und Umweltschutz eingebettet. Die Themen des Projekts traten dadurch weit über den schulischen Kontext hinaus in einen öffentlichen Dialog mit Besucher*innen aus Hamburg und darüber hinaus.
Kunst, Wissenschaft und Nachhaltigkeit gemeinsam denken
Das Recycling-Riff zeigt, wie Kunst, Wissenschaft und Bildung zusammenwirken können, um komplexe Zukunftsfragen verständlich, emotional und handlungsorientiert zu vermitteln. Es erzählt von bedrohten Ökosystemen, von sorgfältig geretteten Materialien und von jungen Menschen, die ihre Ideen in eine gemeinsame Vision verwandeln.
Film zum Projekt
Der folgende Film begleitet die Entstehung des Projekts und gibt Einblicke in die Arbeit der Schüler*innen, die Zusammenarbeit der Beteiligten und die Geschichte hinter den „neuen Korallen aus altem Papier“.
Viel Freude beim Anschauen!
© Max Cremerius

