Holy Slow Down: Gemeinsam kreativ entschleunigen
Autorinnen: Sarah Baumann und Julia Mayer
„Holy Slow Down. Gemeinsam kreativ entschleunigen.“ Mit diesem Motto haben wir uns im Oktober 2025 erstmals auf den Weg gemacht. Für einen Tag verwandelte sich die Hamburger Hauptkirche St. Petri in eine kreative Oase mitten in der Innenstadt und lud Menschen dazu ein, den Alltag hinter sich zu lassen, zur Ruhe zu kommen und den Kirchraum auf neue Weise zu erleben.
Töpfern, Vergolden, Zeichnen, Stricken, Makramee oder gemeinsames Gestalten: An zahlreichen Kreativstationen konnten Besucher*innen selbst aktiv werden, Neues ausprobieren oder einfach beobachten. Die Resonanz hat uns überwältigt. Mehr als 1.700 Menschen besuchten Holy Slow Down an diesem Tag. Hamburger*innen ebenso wie internationale Tourist*innen ließen sich von der besonderen Atmosphäre anstecken und blieben oft deutlich länger als ursprünglich geplant.
Copyright – Max Cremerius
Warum Holy Slow Down?
Wir sind davon überzeugt, dass es Orte braucht, die Menschen ermöglichen, einfach zu sein. Orte fernab von Konsumzwang, Leistungsdruck und Funktionalität. Orte, an denen man nicht ständig etwas erreichen, kaufen oder optimieren muss.
Genau deswegen braucht es Holy Slow Down.
Besucher*innen können ankommen, durchatmen und selbst entscheiden, was sie brauchen: kreativ werden, den Raum erkunden, ins Gespräch kommen oder einfach die besondere Atmosphäre genießen. Manche verbringen Stunden mit Ton und Farben, andere sitzen auf einer Bank, lassen den Blick durch das Kirchenschiff schweifen und beobachten das Treiben um sich herum.
Holy Slow Down schafft damit ein Teilhabeangebot, was es vergleichbar in den Hamburger Hauptkirchen noch nie gab.
Kreativität als Zugang zum Kirchraum
Im Zentrum von Holy Slow Down steht die Überzeugung, dass Kreativität einen besonderen Zugang zu Kirchenräumen eröffnen kann.
Wer in einer Kirche zeichnet, töpfert oder gestaltet, nimmt den Raum oft anders wahr. Man verweilt länger, entdeckt Details, bewegt sich bewusster durch den Raum und erlebt die Atmosphäre intensiver. Der Kirchraum wird nicht nur betrachtet, sondern aktiv erfahren.
Genau darin liegt für uns eine besondere Stärke von Kirchen: Sie sind Orte mit einer eigenen Ausstrahlung. Ihre Architektur, ihre Weite und ihre Ruhe schaffen mentale Freiräume, die im Alltag selten geworden sind. Diese Qualität machen wir uns bei Holy Slow Down bewusst zunutze.
Kirchen können Orte der Begegnung sein, Orte der Kreativität und Orte des Innehaltens. Bei Holy Slow Down werden all diese Dimensionen miteinander verbunden.
Die zweite Runde
Nach der erfolgreichen Premiere fand im April 2026 die zweite Ausgabe von Holy Slow Down in St. Petri statt. Dabei wurde das Format behutsam weiterentwickelt. Neben den kreativen Angeboten lud Charlotte Krohn beispielsweise zum gemeinsamen Singen ein.
Erneut entstanden Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlichster Hintergründe. Wieder wurde gemalt, gestaltet und experimentiert. Und erneut zeigte sich, wie anders ein Kirchraum wahrgenommen wird, wenn er nicht nur Durchgangsort, sondern Aufenthaltsraum ist.
Ein Format auf Wanderschaft
Holy Slow Down verstehen wir nicht als einmalige Veranstaltung, sondern als ein Format, das wachsen und weiterwandern soll.
Wir wünschen uns, dass auch andere Kirchen zu Orten des kreativen Entschleunigens werden. Dabei geht es nicht darum, ein fertiges Konzept zu kopieren, sondern die jeweilige Kirche für einen Moment in eine Oase zu verwandeln: einen Ort, der Menschen einlädt zu verweilen, kreativ zu werden, den Raum neu zu entdecken und Gemeinschaft zu erleben. Mit Holy Slow Down finden sich Kirchen gemeinsam mit freiwilligen Helfer*innen in einer neuen Position als Gastgebende wieder.
Denn manchmal braucht es gar nicht viel. Ein besonderer Raum. Ein wenig Zeit. Kreative Materialien. Und die Erlaubnis, einfach (da) zu sein.
Genau das ist Holy Slow Down.

